Nepal – Ein Land unter dem Dach der Welt
Nepal ist ein Land, in dem der Himmel die Berge berührt und jeder Schritt nach Abenteuer duftet. Zwischen den schneebedeckten Gipfeln des Himalaya, bunten Gebetsfahnen, uralten Tempeln und den lebhaften Gassen Kathmandus verbirgt sich eine Welt voller Kontraste, Demut und unvergesslicher Erlebnisse. Obwohl Nepal zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, liegt sein wahrer Reichtum in der Herzlichkeit der Menschen, der spirituellen Atmosphäre und einer Landschaft, die einem den Atem raubt. Es ist ein Ort, an dem sich der Reisende leicht in den Bergen verliert, aber oft zu sich selbst findet.
Interessantes über Nepal
Wo die Zeit anders vergeht
Nepal ist ein Land, in dem der Glaube nicht nur hinter Tempelmauern verborgen ist, sondern zum Alltag gehört. In den Straßen Kathmandus vermischen sich der Duft von Weihrauch, das Geräusch der Gebetsmühlen, farbenfrohe Opfergaben und Gebetsfahnen, die im Wind wehen. Hinduistische Tempel stehen hier neben buddhistischen Stupas, und oft hat man das Gefühl, dass die Grenzen zwischen den Religionen viel natürlicher verschwimmen als anderswo. Die am weitesten verbreitete Religion ist der Hinduismus, dem die Mehrheit der Bevölkerung angehört. Eine wichtige Rolle spielen jedoch auch der Buddhismus, der Islam, die Kirat-Religion, das Christentum und weitere kleinere Glaubensrichtungen. Gerade diese Vielfalt macht Nepal zu einem Land zahlreicher Feste, Rituale und Traditionen. Zugleich ist der Glaube hier aber auch mit Regeln verbunden, die für Reisende überraschend sein können – zum Beispiel dürfen hinduistische Tempel nur von Hindus betreten werden, während andere Besucher sie lediglich von außen bewundern können. Besonders ist auch, dass es hier nicht nur ein einziges „Neujahr“ gibt. Neben unserem Kalender wird in Nepal beispielsweise der Bikram-Sambat-Kalender verwendet, nach dem das Land etwa 56 Jahre und 8 Monate voraus ist. Während bei uns das Jahr 2026 ist, schreibt man in Nepal nach diesem Kalender das Jahr 2083. Daneben gibt es auch Nepal Sambat, den traditionellen Kalender der Newar-Gemeinschaft, und in den buddhistischen Bergregionen wird Losar gefeiert – das tibetische und himalayische Neujahr. Verschiedene Gemeinschaften begrüßen das neue Jahr somit zu unterschiedlichen Zeiten, je nach Glauben, Tradition oder ethnischer Herkunft. Für Reisende ist es faszinierend zu sehen, dass Zeit hier nicht nur eine Zahl im Kalender ist, sondern Teil von Kultur und Identität. Auch wenn Nepal zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, gehören sein spiritueller Reichtum, die Achtung vor Traditionen und die Fähigkeit, das Leben in vielen Formen zu feiern, zu dem, was am meisten beeindruckt.
Eine Welt der Berge und Sherpas
Nepal ist untrennbar mit dem Himalaya verbunden – einem Gebirge, das fast überirdisch wirkt. Genau hier erhebt sich der höchste Berg der Welt, der Mount Everest, den die Nepalesen Sagarmatha nennen, ebenso wie weitere berühmte Achttausender, die Bergsteiger, Abenteurer und ganz normale Reisende aus aller Welt anziehen. Schneebedeckte Gipfel, tiefe Täler, Hängebrücken, steinerne Pfade und kleine Bergdörfer formen eine Landschaft, die rau, schön und zugleich demütig macht. Eng mit dem Himalaya verbunden sind die Sherpas – Menschen, die seit Generationen hoch in den Bergen leben und sich perfekt an die anspruchsvollen Bedingungen angepasst haben. Oft verbindet man sie vor allem mit Besteigungen des Mount Everest und ihrer Rolle als Bergführer, Träger oder Retter. Tatsächlich aber sind die Sherpas eine eigene ethnische Gruppe mit eigener Kultur, Sprache, Traditionen und einer starken Verbindung zum Buddhismus. Die Berge sind für sie nicht nur eine touristische Attraktion, sondern Heimat und heiliger Raum. Ihr Leben ist bewundernswert hart. Große Höhen, Kälte, eingeschränkte Transportmöglichkeiten, bescheidene Lebensbedingungen und die Abhängigkeit vom saisonalen Tourismus prägen den Alltag vieler Bergregionen. Dennoch sind die Sherpas für ihre Gastfreundschaft, Ruhe und unglaubliche körperliche Widerstandskraft bekannt. Für viele Expeditionen auf die Sagarmatha und andere Gipfel des Himalaya sind sie absolut unverzichtbar – ohne ihre Erfahrung, ihre Ortskenntnis und ihre Arbeit unter extremen Bedingungen wären zahlreiche Besteigungen überhaupt nicht möglich. Der Himalaya ist jedoch nicht nur ein Symbol für Abenteuer und große Leistungen. Er ist auch ein Ort, an dem einem bewusst wird, wie klein der Mensch im Vergleich zur Natur ist. Jeder Schritt in der dünnen Bergluft, jeder Blick auf die weißen Gipfel und jede Begegnung mit den Menschen, die hier leben, erinnert daran, dass der wahre Reichtum Nepals nicht nur auf den Berggipfeln liegt, sondern auch in den Menschen, die seit Jahrhunderten unter ihnen leben.
Kathmandu
Kathmandu ist eine Stadt, die einen gleich nach der Ankunft in ihren Bann zieht. Sie ist laut, staubig, chaotisch, farbenfroh und voller Leben, zugleich aber auch roh und für Europäer stellenweise sehr herausfordernd. In den engen Gassen vermischen sich das Hupen der Motorräder, der Duft von Gewürzen, Weihrauch und Straßenessen sowie das geschäftige Treiben der Läden und Märkte. Auf den Straßen liegt häufig Müll, streunende Hunde laufen umher, und man begegnet hier auch Szenen, die nicht für jeden leicht zu ertragen sind – etwa rituellen Tieropfern, die Teil bestimmter religiöser Traditionen sind. An jeder Ecke tauchen Tempel, kleine Schreine, Gebetsmühlen oder Götterstatuen auf, die daran erinnern, dass das spirituelle Leben hier zum Alltag gehört. Kathmandu kann auf den ersten Blick unübersichtlich, schmutzig und wild wirken, doch genau darin liegt seine besondere Kraft. Es ist keine glatt polierte Stadt, die für Touristen geschaffen wurde, sondern ein Ort voller echten Lebens, voller Kontraste, Glauben und alltäglicher Betriebsamkeit. Sie ist authentisch, intensiv und unverwechselbar.
Die stillen Gesichter Nepals
Nepal ist nicht nur ein Land der Berge, Tempel und Gebetsfahnen, sondern auch die Heimat einer überraschend vielfältigen Tierwelt. Da sich seine Landschaft auf vergleichsweise kurzer Distanz von tropischen Tiefebenen bis hin zu den eisigen Gipfeln des Himalaya wandelt, leben hier Tiere, die man oft kaum mit ein und demselben Land in Verbindung bringen würde. Im Süden Nepals erstrecken sich die warmen Tiefebenen des Terai mit Nationalparks und Dschungel, während im Norden die raue Welt des Hochgebirges beginnt. In den Tieflandregionen, etwa im Chitwan- oder Bardia-Nationalpark, kann man einigen der bekanntesten Tiere Nepals begegnen – Bengaltigern, Panzernashörnern, Krokodilen, wilden Elefanten, Hirschen, Affen und zahlreichen Vogelarten. Im Süden Nepals sind auch wilde Pfauen häufig zu sehen, die sich frei durch die Landschaft bewegen und der Natur mit ihrem auffälligen Gefieder einen besonderen Zauber verleihen.
Gerade hier lernt man eine völlig andere Seite Nepals kennen als die des Himalaya. Statt Schnee und Gletschern öffnet sich eine grüne, feuchte und lebendige Landschaft voller Dschungelgeräusche. In höheren Lagen verändert sich die Tierwelt allmählich. In den Bergwäldern leben zum Beispiel Rote Pandas, Himalaya-Tahre, Languren, verschiedene Fasanen- und Greifvogelarten, aber auch Bären. Einer der seltensten und geheimnisvollsten Bewohner Nepals ist der Schneeleopard. Dieses scheue Raubtier lebt hoch in den Bergen, und es in freier Wildbahn zu sehen, ist außerordentlich selten. Gerade deshalb wird er oft als Geist der Berge bezeichnet.
Tiere sind in Nepal Teil der Natur, der Religion und des alltäglichen Lebens. In den Straßen der Städte begegnet man streunenden Hunden, Affen an Tempeln oder Kühen, die in der hinduistischen Kultur eine heilige Stellung haben. Im Süden des Landes kann man auch Elefanten sehen, die zur Arbeit oder im Tourismus eingesetzt werden. Für Europäer kann der Anblick eines Elefanten, der mit einem Bein an einen Pfahl gekettet ist, ein sehr starkes und unangenehmes Erlebnis sein, weil er auch die härtere Seite der Beziehung zwischen Mensch und Tier zeigt.
Ein interessantes, aber zunehmend sensibles Thema sind die Tiger. Ihr Schutz zählt in Nepal zu den großen Erfolgen, denn ihre Zahl ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auf einem so kleinen Gebiet bringt dies jedoch zugleich neue Probleme mit sich. Tiger geraten häufiger in die Nähe von Dörfern, Feldern und Menschen, sodass es immer öfter zu Situationen kommt, in denen die Wildnis und der Alltag der lokalen Bevölkerung miteinander in Konflikt geraten.

Unsere Reise nach Nepal
Reisedauer:2 Wochen – April 2022 (Kinder 6 und 7 Jahre)
Unterkünfte:
Baber Mahal Vilas
Hotel Everest View
Club Himalaya
Namobuddha Resort
Jungle Villa Resort
Temple Tree Resort
Gokarna Forest Resort
Restaurants:
Meistens haben wir in dem Hotel gegessen, in dem wir gerade übernachtet haben, gelegentlich aber auch draußen auf der Straße oder in Restaurants, in die uns unser Guide gebracht hat, der uns fast auf Schritt und Tritt zur Verfügung stand. Man muss allerdings sagen: Wenn man erst einmal gesehen hat, wie Fleisch auf der Straße verkauft wird – offen auf den Theken, im Staub, im Schmutz, ohne Kühlung und zwischen allgegenwärtigen frei herumlaufenden Tieren –, bekommt man fast Lust, Vegetarier zu werden. In solchen Momenten ist es wunderbar, statt Fleisch zum Beispiel Paneer-Käse zu essen. Ansonsten ist dort wirklich fast alles scharf: Spaghetti für die Kinder, Frühstück, Saucen – einfach alles. Nach vierzehn Tagen beginnt die europäische Verdauung dann doch irgendwann, genug davon zu haben und ein wenig zu streiken. Trotzdem lohnt es sich auf jeden Fall, eine der Varianten von Butter Chicken, Chicken Tikka Masala oder eine ähnliche indische Spezialität zu probieren.
Unsere Aprilreise nach Nepal war von Anfang an unglaublich vielfältig. In knapp zwei Wochen bereisten wir Kathmandu und seine Umgebung, stiegen hinauf in den Himalaya, erlebten Ausblicke auf den Everest und die Annapurna, besuchten historische Städte, buddhistische und hinduistische Pilgerstätten, gelangten bis in den subtropischen Dschungel von Chitwan und genossen am Ende noch einen ruhigen Abschluss im Gokarna Forest Resort bei Kathmandu. Schon der Reiseplan der Agentur ließ erahnen, wie unglaublich abwechslungsreich Nepal ist.
Das ganze Abenteuer begann in Kathmandu, der Hauptstadt, die in einem Tal auf rund 1.300 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Nach der Ankunft machten wir uns auf den Weg in die Stadt und stießen gleich auf ein Neujahrsfest. So begannen wir langsam, uns auf die nepalesische Atmosphäre einzustimmen – eine Mischung aus Chaos, Farben, Staub, dem Duft von Weihrauch und ständiger Bewegung. Obwohl die Kinder im Flugzeug nur vier Stunden geschlafen hatten, waren sie überraschend munter, sodass wir den ersten Tag viel besser überstanden, als wir erwartet hatten.
Kathmandu wirkte auf uns wie eine Stadt der Kontraste. Enge Gassen, Lärm, Verkehr, Tempel, Märkte und uralte Bauwerke vermischen sich hier zu einem Bild, das manchmal chaotisch, zugleich aber faszinierend ist. Zu den bedeutendsten Orten der Stadt zählen der Durbar Square, die Stupa von Boudhanath, Swayambhunath – der berühmte Affentempel – sowie die Tempelanlage Pashupatinath. Und genau so war Nepal von den ersten Stunden an: lebendig, laut, spirituell und völlig anders.
Anfangs hatten wir ein wenig das Gefühl, dass an jeder Ecke Krankheiten und Infektionen auf uns lauerten. Ständig wollten wir uns die Hände waschen und alles desinfizieren. Aber das war vor allem der erste Kulturschock. Nach ein paar Tagen legte sich diese „Panik“ von selbst, und man begann, viel natürlicher in den lokalen Rhythmus einzutauchen.
Gleich am nächsten Morgen sollten wir mit dem Hubschrauber Richtung Everest fliegen, doch der Flug wurde gestrichen. Statt eines Bergabenteuers erkundeten wir also die Stadt und ihre Tempel und beendeten den Abend etwas unerwartet im Hard Rock Café. Einen Tag später ging es dann aber wirklich los – und zwar ganz im Stil Nepals. Zuerst wurde der Hubschrauber gewechselt, dann reparierte man doch wieder den ursprünglichen, sodass wir am Ende wieder genau diesen bekamen. Ehrlich gesagt gibt einem das nicht unbedingt ein besonders sicheres Gefühl, wenn man in bergiges Gelände und auf über 5.000 Meter Höhe fliegen soll, wo die Luft bereits dünn ist. Aus diesem Grund mussten wir auch nur ein Minimum an Gepäck mitnehmen, damit der Hubschrauber möglichst leicht blieb.
Über einen Zwischenstopp in Lukla, das als einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt gilt – zum Glück landeten wir dort nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem bereits erwähnten Hubschrauber, uff –, gelangten wir bis in die Gegend von Syangboche und von dort weiter zu einem der absoluten Höhepunkte der Reise: einer kurzen Landung am Kala Patthar auf rund 5.600 Metern Höhe. Genau dort versteht man sofort, dass der Himalaya nicht nur schön, sondern auch rau ist. Den Kindern ging es nicht ganz gut, sie hatten Bauchschmerzen, und die Luft war deutlich knapper. Trotzdem war es ein Erlebnis, das man nie vergisst. Beim Blick in Richtung Base Camp überkommt einen das Gefühl, weinen zu wollen. Nicht aus Erschöpfung, sondern aus dieser besonderen Rührung heraus, wenn man plötzlich etwas gegenübersteht, das man sein Leben lang nur von Bildern kannte.
Die Nacht verbrachten wir im Hotel Everest View auf 3.880 Metern Höhe, das als eines der höchstgelegenen Hotels der Welt bekannt ist. Das gesamte Personal war unglaublich freundlich und hilfsbereit – schließlich befanden wir uns im Gebiet der Sherpas. Am Nachmittag zog sich der Everest zu, Nebel kam auf und es wurde kalt, doch die Kraft dieses Ortes war trotzdem enorm. Wir gingen nur ein paar Kilometer zu Fuß bis zum nächsten Dorf, aber die Anstrengung in dieser Höhe war riesig. Die Kinder ruhten sich gefühlt alle hundert Meter aus – und ehrlich gesagt hatten auch wir Erwachsenen gut zu kämpfen.
Am Morgen wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Himalaya belohnt. Das Warten auf den Hubschrauber zog sich zwar um etwa zwei Stunden hin, aber in dieser Landschaft störte uns das eigentlich überhaupt nicht. Schließlich flogen wir zurück nach Kathmandu. Unterwegs nahmen wir außerdem eine alte Großmutter aus einem Bergdorf mit hinunter in die Stadt zum Arzt. Es war ein weiterer kleiner Moment, der zeigte, dass ein Hubschrauber in diesen Regionen nicht nur ein luxuriöses Erlebnis für Reisende ist, sondern ein wichtiger Teil des Lebens in den Bergen.
In den folgenden Tagen erkundeten wir Kathmandu und seine Umgebung. Der Rundflug über den Himalaya hatte erneut Verspätung, und wieder wurde das Flugzeug gewechselt, fand am Ende aber doch statt. Wir besuchten auch den Zoo, der uns eher enttäuschte, und anschließend den Affentempel, wo die Affen wirklich überall waren. Auch eine Seilbahnfahrt und weitere Spaziergänge durch die Stadt fehlten nicht.
Unsere Kinder sahen ein bisschen aus wie Zwillinge, vor allem als sie noch kleiner waren. In Nepal soll es Glück bringen, Zwillinge zu berühren, sodass man sich ungefähr vorstellen kann, welchen Aufruhr wir dort mit unseren Jungs auslösten. Wie viele Menschen sich mit ihnen fotografieren lassen wollten, können wir schon gar nicht mehr zählen.
Laut Programm fuhren wir auch nach Patan, einer historischen Stadt, die durch den Fluss Bagmati von Kathmandu getrennt ist. Patan gehört zu den ältesten Städten des Tals und ist bekannt für seine feine Architektur, Metallskulpturen, Holzschnitzereien und die Vielzahl an Tempeln. Schön an Nepal ist auch, wie selbstverständlich sich dort das alltägliche Leben mit der spirituellen Welt verbindet. Die Menschen beten, bringen Opfergaben dar und leben, arbeiten und handeln ganz nebenbei ihren normalen Alltag.
Sehr eindrucksvoll war auch der Ausflug zum Chandragiri Hill, einem 2.551 Meter hohen Berg südwestlich von Kathmandu. Hinauf führt eine Seilbahn, und bei gutem Wetter hat man von dort fantastische Ausblicke auf das Tal und die Gipfel des Himalaya. Leider sind die Berge in der Trockenzeit, kurz vor dem Monsun, wegen Staub und Dunst oft fast von nirgendwo aus zu sehen – bis man direkt bei ihnen ist. Auch deshalb wird für eine Reise nach Nepal häufig die Zeit direkt nach dem Monsun empfohlen, also Oktober und November.
Eines der stärksten Erlebnisse war Bhaktapur, eine alte Königsstadt voller Tempel, Holzdetails, Innenhöfe und alter Gassen. Sie hatte eine ganz besondere Atmosphäre – als würde die Zeit hier tatsächlich langsamer vergehen. Genau dort erlebten wir das nepalesische Neujahr und das lokale Fest Bisket Jatra, das viel roher, lauter und authentischer war, als man es als Europäer gewohnt ist.
Wir sahen auch Tieropfer, was für uns sehr ungewohnt und eindrücklich war. Es handelte sich nicht um eine touristische Attraktion, sondern um ein echtes, lebendiges Ritual, das zur lokalen Tradition gehört. Außerdem entdeckten wir Mandalas, tibetische Klangschalen, lokales Kunsthandwerk und wunderschöne historische Architektur. Danach fuhren wir weiter nach Nagarkot und übernachteten im Club Himalaya, von wo aus man normalerweise herrliche Ausblicke auf die Himalaya-Ketten hat. Wir konnten sie wegen des Dunstes leider nicht sehen.
Aus den Bergen nahmen wir nicht nur Ausblicke mit, sondern auch viele unerwartete Situationen. Am Morgen machten wir eine Wanderung durch Dörfer und begegneten unterwegs einer Hochzeit. Eines der Kinder bekam während des Ausflugs Verdauungsprobleme, sodass wir schließlich bei jemandem zu Hause auf einer türkischen Plumps-Toilette landeten. Auch solche Momente gehören zum Reisen dazu – und oft erinnert man sich am Ende fast am meisten an sie.
Nagarkot liegt auf rund 2.175 Metern Höhe und ist bekannt für Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge und Panoramen des Himalaya. Bei klarem Wetter kann man von hier aus sogar den Everest sehen. Von dort ging es über Namobuddha weiter nach Dhulikhel. Namobuddha war völlig anders als das laute Kathmandu – ruhig, bescheiden und spirituell. Wir besuchten ein buddhistisches Kloster, trafen einen Hund, der auf eines unserer Kinder sprang und uns danach noch lange folgte, und verbrachten die Nacht in einem kleinen Berghotel mit vegetarischem Essen. Dhulikhel und Namobuddha hinterließen bei uns ein ganz anderes Bild von Nepal – weniger laut, weniger touristisch, dafür umso innerlicher.
Danach erwartete uns eine lange, etwa siebenstündige Fahrt nach Chitwan. Die Landschaft veränderte sich allmählich. Von Bergstraßen und Ausblicken gelangten wir in eine grüne Tieflandwelt, in der die Luft schwerer, wärmer und feuchter wurde. Der Chitwan-Nationalpark gehört zu den bekanntesten Naturregionen Nepals. Es ist ein Ort des Dschungels, der Flüsse, der Tiere und der Tharu-Dörfer.
Wir wussten, dass man genau hier auch an die praktischere Seite der Reise denken musste. Im südlichen Tieflandgürtel gibt es mehr Mücken und ein gewisses, wenn auch eher geringes Malariarisiko, während höhere Lagen über 1.800 Metern nicht mehr als Malariagebiet gelten. Schon die Vorbereitungen zeigten also, wie groß die Kontraste in Nepal sind: Während man im Himalaya mit dünner Luft und Höhenmüdigkeit zu tun hat, geht es in Chitwan um Hitze, Dschungel und Schutz vor Insekten.
Der Elefantenritt am Nachmittag war für uns kein schönes Erlebnis – eher im Gegenteil. Das spätere Fotografieren und die Möglichkeit, die Elefanten zu streicheln, waren angenehmer, doch insgesamt hinterließ dieser Teil bei uns einen zwiespältigen Eindruck. Am Morgen fuhren wir mit dem Kanu auf dem Fluss Rapti, wo erneut ein nasser Hund eines der Kinder erschreckte, und beobachteten anschließend in Ruhe Krokodile. Die Safari am Nachmittag mit dem Jeep war völlig anders – überall waren Pfauen, und der Dschungel war lebendig und spannend.
Am nächsten Morgen kam eine der größten Überraschungen der gesamten Reise: eine Safari mit einem Nashorn aus nächster Nähe und sogar Bären. Chitwan ist die Heimat von Nashörnern, Krokodilen, vielen Vogelarten und zahlreichen weiteren Tieren, sodass dies aus Natursicht einer der interessantesten Teile der ganzen Reise war. Einen Tiger sahen wir leider nicht, wir fanden nur einen Pfotenabdruck im Sand. Aber selbst das sorgte für Gänsehaut – zu wissen, dass hier die größte lebende Raubkatze entlanggegangen war, ist nicht gerade beruhigend.
Nach dem Dschungel ging es weiter nach Pokhara, die Stadt unterhalb der Annapurna. Pokhara liegt auf etwa 827 Metern über dem Meeresspiegel und hat eine ganz andere Atmosphäre als Kathmandu. Es ist ruhiger, entspannter und dank des Phewa-Sees auch wunderbar fotogen. Bei gutem Wetter erheben sich darüber die Gipfel der Annapurna und des Machapuchare.
Am Morgen flogen wir mit dem Hubschrauber zur Annapurna, verbrachten dort etwa eine Stunde und kehrten dann wieder zurück. Es folgten ein Tempel, das Himalaya-Museum, in dem die Jungs auf einen künstlichen Berg kletterten, ein Wasserfall, die Stadt und schließlich Regen, der die Pläne für den Nachmittag ordentlich durcheinanderbrachte. In Pokhara machten wir auch einen Ausflug nach Sarangkot und Naudanda, von wo aus man einige der schönsten Ausblicke auf die Annapurna und den Phewa-See hat. Der nächste Tag gehörte bekannten Orten wie der World Peace Pagoda, dem Bindabasini Temple und Devi’s Falls.
Am nächsten Morgen versuchten wir, den Sonnenaufgang über der Annapurna einzufangen. Sie war nur teilweise zu sehen, doch auch das hatte seinen eigenen Zauber.
Von Pokhara flogen wir zurück nach Kathmandu, weil die Fahrt mit dem Auto etwa neun Stunden gedauert hätte. Der Fahrer, der uns nach Pokhara gebracht hatte, fuhr mit unserem Gepäck den langen Weg auf der Straße zurück, wartete aber zunächst, bis wir wirklich abgeflogen waren. In Nepal kommt es nämlich durchaus vor, dass ein Flug einfach gestrichen wird.
Ehrlich gesagt hofften wir nach allem, was wir über den nepalesischen Flugverkehr wussten, ein wenig, dass auch dieser Flug gestrichen würde. Der Luftverkehr in Nepal hat nicht den besten Ruf, und man hat vor einem solchen Inlandsflug einfach Respekt. Und nach der Landung, bei der wir beteten, kurz vor dem Aufsetzen nicht doch noch abzustürzen, wurde dieser Respekt definitiv nicht kleiner. Am Ende kamen wir aber sicher an und fuhren weiter ins Gokarna Forest Resort.
Das war ein völlig anderer Abschluss als die Tage zuvor. Gokarna war früher eine private Jagdreserve der nepalesischen Königsfamilie und ist heute ein grüner, ruhiger Ort ganz in der Nähe des Großstadttrubels. Wir spazierten um den Golfplatz und durch den Wald, wo wir Affen und Hirsche sahen. Nach Himalaya, Tempeln, Dörfern und Dschungel war das ein sehr angenehmer und ruhiger Abschluss der gesamten Reise.
Am letzten Tag fuhren wir noch einmal in die Stadt, suchten mit mäßigem Erfolg einen buddhistischen Tempel und schafften es vor dem Abflug sogar noch zum Friseur.
Manche Momente waren wunderschön, andere anstrengend und einige seltsam oder unbequem. Aber genau dadurch war Nepal echt. Nicht glatt und komfortabel, sondern lebendig, roh, spirituell und unvergesslich. Und genau so wird es in unseren Erinnerungen bleiben.
Unsere Tipps
Was man besuchen sollte: Auf jeden Fall die Hauptstadt Kathmandu, außerdem die Bergregion – wenn man schon in Nepal ist, sollte man unserer Meinung nach den Mount Everest gesehen haben. Einen Besuch wert sind definitiv auch Bhaktapur, Namobuddha und Dhulikhel. Der Chitwan-Nationalpark war ebenfalls ein großes Erlebnis, und es wäre schade, Pokhara und die Annapurna auszulassen.
Einschränkungen für Kinder: Nepal ist ein sehr armes und in vielerlei Hinsicht wenig entwickeltes Land, in dem Reisende mit zahlreichen Komplikationen rechnen müssen. Daher sollte man gut abwägen, inwieweit man sich eine solche Reise mit Kindern – ganz gleich welchen Alters – zutraut. Wir haben den gesamten Urlaub problemlos gemeistert, lediglich mit gelegentlichen leichteren Magen-Darm-Beschwerden. Allerdings waren wir wirklich gut vorbereitet – mit den notwendigen Impfungen, einer großen Reiseapotheke und der Einstellung, dass im Grunde fast alles passieren kann. Für Nepal werden Erwachsenen und Kindern insbesondere folgende Impfungen empfohlen: Hepatitis A und B, Typhus, Cholera, Tollwut – streunende Hunde gibt es hier wirklich sehr viele –, Japanische Enzephalitis sowie eine Impfung gegen Meningokokken A, C, W135 und Y. Ehrlich gesagt würden wir empfehlen, Nepal eher mit älteren Kindern zu bereisen, allein schon wegen der Impfmöglichkeiten, der Hygiene, der Transfers und der allgemeinen Anforderungen der Reise. Kinder im Vorschulalter würden wir für eine solche Reise eher nicht empfehlen.
Tipps zum Essen: Es lohnt sich im Grunde, alles zu probieren. Die nepalesische Küche ähnelt stark der indischen, und die Geschmacksrichtungen sind hier völlig anders als in Europa. Man sollte nur damit rechnen, dass wirklich fast alles scharf ist – manchmal sogar Gerichte, bei denen man es überhaupt nicht erwarten würde.
Was man vermeiden sollte: Streicheln Sie keine streunenden Hunde, auch wenn manche wirklich niedlich aussehen. Generell ist es besser, keine Tiere anzufassen. Wenn Sie keine erfahrenen Reisenden sind, würden wir empfehlen, Städte und Sehenswürdigkeiten mit einem Guide zu erkunden. Wenn möglich, würden wir versuchen, Inlandsflüge zu begrenzen, da die Standards im Flugverkehr hier im Vergleich zu Europa deutlich niedriger sind. Wichtig ist außerdem, sich gründlich die Hände zu waschen, nur Wasser aus Flaschen zu trinken und sich niemals mit Leitungswasser die Zähne zu putzen. In tropischen Gebieten sollte man sich vor Mücken schützen. Grundsätzlich gilt: Eine Reise nach Nepal sollte man wirklich sorgfältig planen und sich gut informieren – gesundheitlich, praktisch und auch mental. Das lohnt sich auf jeden Fall.
Nepal ist ein Land großer Kontraste. An einem Tag steht man vor den höchsten Bergen der Welt, am nächsten wandert man zwischen Tempeln hindurch, dann fährt man auf der Suche nach Nashörnern durch den Dschungel und findet sich wenig später wieder mitten in Staub, Hupen und endlosem Chaos. Nepal ist nicht immer ein einfaches Reiseland, doch genau darin liegt seine Stärke. Es kann müde machen, überraschen und einen auch einmal überfordern, zeigt aber zugleich eine Welt, die völlig anders ist als die europäische. Und gerade deshalb gehört Nepal zu den Orten, die man nie vergisst.
Weitere Fotos finden Sie unter Galerie - Nepal






